19 | 11 | 2017

Cyphotilapia und ihre Körpersprache

 

         
 
Kaum zu glauben: Diese beiden Gibberosas sind Geschwister. Gleich alt, aber nicht gleich gross.  

Cyphotilapias und ihre Körpersprache

Wenn man seine Tiere gut beobachtet, kann man so einiges über das Befinden aus ihrer Körpersprache ablesen. Cyphotilapia frontosa und Cyphotilapia gibberosa zeigen einige arttypische Verhaltensweisen. Diese versuche ich hier zu beschreiben.

Kleinwuchs als Überlebensstrategie?
Das Phänomen tritt immer wieder auf: Kleinwuchs einzelner Tiere. Es kommt in der Tat nicht selten vor, dass in einer Cypotilapia-Gruppe, ein einzelnes Tier deutlich kleiner bleibt als seine gleichaltrigen Kollegen. Solche Zwerge sind nicht nur einwenig kleiner als die Anderen, sondern erheblich kleiner. Das kenne ich aus eigener Erfahrung. Während das grösste Tier aus einer Fünfergruppe, ein Männchen, im Alter von zirka vier Jahren um die 30 Zentimeter misst, ist sein Bruder nach wie vor nur gut 10 Zentimeter gross. Abgesehen von ihrer Grösse entwickeln sich solche kleinwüchsigen Fische ganz normal und sind auch gesund. Auffällig, dass sich der Kleine oft am besten von allen Gruppenmitgliedern mit dem grössten, meist dominanten Tier versteht
Worauf dieses Verhalten zurückzuführen ist, wurde meines Wissens noch nie streng wissenschaftlich untersucht. Es gibt aber eine Theorie, die einigermassen plausibel klingt. Diese Theorie besagt, dass es immer Männchen sind, die klein bleiben, und dass das grösste Tier einer solchen Gruppe, auch immer ein Männchen ist. Sind alle Mitglieder einer Gruppe weiblich, tritt das Phänomen nicht auf. Die erwähnte These sagt nun, dass sich unter den Männchen einer Gruppe schon früh abzeichnet, welches Tier dereinst dominant sein wird. Um den Machtkämpfen mit diesem Tier aus dem Weg zu gehen, bleibt das schwächere Männchen klein. Damit wird es vom künftigen Boss akzeptiert und kann friedlich in der Gruppe leben. Würde es ebenfalls gross, käme es unweigerlich zu Rangeleien um die Vorherrschaft im Becken. Wie bereits erwähnt, ist nichts davon wissenschaftlich erhärtet. Tatsache aber ist, dass sich dieses Phänomen in Gruppen mit fünf bis sechs Tieren oft zeigt. In grossen Gruppen verteilt sich potentielle Aggression von Seiten des Bosses auf viele Individuen, womit sich kein Männchen veranlasst sieht, klein zu bleiben.

Dunkelfärbung bedeutet immer Unwohlsein
Ein ganz offensichtliches Signal, dass Cyphotilapias aussenden, ist die Dunkelfärbung. Ein Verhalten, das wohl schon jede Pflegerin und jeder Pfleger dieser Arten an seinen Tieren beobachtet hat. Cyphotilapias können fast schwarz werden - die schönen Streifen auf den Flanken sind dann kaum mehr auszumachen. Meistens handelt es sich um ein Phänomen, das schnell wieder verschwindet. In solchen Fällen, war es wohl Ausdruck einer momentanen Unzufriedenheit.
Wenn aber eines ihrer Tiere oft, oder andauernd, solches Verhalten zeigt, stimmt mit ihm irgendetwas nicht. Soviel ist klar. Schwieriger wird es oft, herauszufinden was es genau ist, was unserem Pflegling zu schaffen macht.
Nach meinen Beobachtungen hat die Dunkelfärbung verschiedene Gründe, doch geht immer ein Unwohlsein mit diesem Verhalten einher. Und immer scheint es dieselbe Botschaft zu sein, welche durch das Verstecken der Farben ausgesendet wird: „Lass mich in Ruhe“.
Zumeist drücken sich dunkle Tiere in einer Ecke herum. Es scheint, als wollten sie sich durch die Dunkelfärbung unsichtbar machen. Mit dieser Feststellung ist man einer Lösung des Problems näher als man glaubt. Das Stichwort heisst "unsichtbar machen". In solchen Fällen fehlen nämlich oft genügend Versteckplätze, durch die sich ein Frontosa "unsichtbar" machen kann. Hat ein Tier keinen festen Versteckplatz, ist es auch nirgends richtig zu Hause. Wo sich ein solches Tier im Becken auch aufhält, es kommt immer einem seiner Mitbewohner in die Quere. Die Reaktion: Nur nicht auffallen, keine provozierenden Farben zeigen, möglichst dunkel werden. Sorgt man dafür, dass alle Aquarienbewohner ein "Eigenheim" haben, löst sich das Problem.
Allerdings, sind es nicht immer so harmlose Gründe, die Frontosas veranlassen ihre schöne Zeichnung zu verstecken. Die Auslöser sind vielfältig. Hier einige Beispiele: Zu heller Bodengrund, zu starkes Licht, Streitereien, falsche Ernährung, falsche Vergesellschaftung, ungeeigneter Beckenstandort, Lärm, Verletzungen oder gar ernsthafte Erkrankungen. Um den Gründen auf die Spur zu kommen, gibt es nur eines: Seine Tiere bereits in gesunden und zufriednen Tagen gut beobachten. Wenn man jedes seiner Tiere kennt, fällt es leichter die Gründe für sein Unbehagen zu erkennen.

 
    Wenn Frontosas "Männchen" machen
Es ist oft zu beobachten: Unter dem Eindruck einer Bedrohung durch einen Artgenossen, stellen sich Cyphotilapias fast senkrecht ins Wasser. Der Kopf zeigt dabei zur Wasseroberfläche, der Schwanz zum Bodengrund, der ungeschützte Bauch präsentiert sich dem Angreifer. Die Farben werden dunkel oder aber verblassen.
Dieses Verhalten ist eine Beschwichtigungsgeste, die dem Aggressor zu verstehen gibt, dass er der Stärkere sei. "Ich gebe auf, ich wehre mich nicht, ich akzeptiere deine Übermacht", scheint das
 
  unterlegene Tier mit dieser Haltung auszudrücken. Und diese Geste verfehlt ihre Wirkung nicht. Normalerweise lässt der Angreifer angesichts dieses unterwürfigen Verhaltens auch prompt von seinem Opfer ab. Ähnliche Unterlegenheitsgesten sind auch von Säugetieren bekannt. Welche Umstände dafür entscheidend sind, wann ein Cyphotilapia die Flucht ergreift und wann er diese Rühr-mich-nicht-an-Strategie wählt, konnte ich bisher nicht herausfinden. Es macht den Anschein, als ob die Fische sich in ein und derselben Situation Mal so und Mal so entscheiden.
Das Gegenteil dieses "Männchenmachens" ist übrigens die offensiv-aggressive Haltung. Diese manifestiert sich durch das Absenken des Kiemenbodens, das gleichzeitige Spreitzen aller Flossen und durch eine intensive Färbung. Der abgesenkte Kiemenboden, gepaart mit der leicht vornüber gebeugten Lage, lässt den Fisch optisch grösser wirken und verleiht seiner Erscheinung ein noch bedrohlicheres Aussehen.
Wenn sich zwei Kontrahenten gleich stark fühlen, also keiner die Flucht ergreift, noch die Unterlegenheitsgeste zeigt, kommt es zu dem bekannten Maulziehen. Dieses Verhalten ist indessen nicht cypotilapiaspezifisch - man kennt es von fast allen afrikanischen Cichliden. Dabei kommt es zu einem Kräftemessen, indem sich die  Widersacher gegenseitig am Maul festhalten und jeder nach Kräften rückwärts zieht. Ein Wettkampf, der sich mit der Sportart Seilziehen vergleichen lässt. Trotz dem Cyphotilapias nicht zu unterschätzende Zähne besitzen, konnte ich noch nie feststellen, dass sich die Fische beim Maulziehen ernsthaft verletzen.
 
 
Das Tier links greift seinen Artgenossen rechts an. Dieser zeigt die typische Geste der Unterlegenheit - Schwanz nach unten, Kopf nach oben. Damit macht er klar, dass er nicht kämpfen wird. Der Angreifer akzeptiert normalerweise die Geste und lässt von ihm ab.    
   
Wenn, wie hier, keines der Tiere nachgibt, kommt es zum so genannten Maulziehen. Ein friedliches Kräftemessen, bei dem ausgelotet wird, wer der Stärkere ist. Zu Verletzungen kommt es dabei in der Regel nicht - ich konnte jedenfalls bisher keine beobachten.    
Eigenartig wippende Bewegungen
Es kommt immer wieder vor, dass einzelne Cyphotilapias eigenartig anmutende, wippende Bewegungen vollführen. Dabei stehen sie oft knapp über dem Boden und schaukeln rhythmisch auf und ab. Dieses Schaukeln setzt sich auch dann fort, wenn sich die Tiere vorwärts bewegen und ist oft über mehrere Tage zu beobachten.

Es scheint an der Ernährung zu liegen
Es gibt verschiedene Theorien, auf was dieses Wippen zurückzuführen sei. Ich bin zu folgendem Schluss gekommen. Die betroffenen Fische scheinen gegen einen steten Auftrieb anzukämpfen. Dadurch, dass sie durch Abwärtsschwimmbewegungen gegen diesen Auftrieb anzukommen versuchen, entsteht dieses Schaukeln. Um etwas Ruhe zu bekommen stellen sich betroffene Tiere von Zeit zu Zeit unter Steine und andere Einrichtungsgegenstände. Der Auftrieb klemmt die Fische dann buchstäblich unter die Gegenstände und verschafft ihnen so die Möglichkeit auszuruhen ohne an die Oberfläche getragen zu werden.
Die Frage ist nun, woher dieser Auftrieb rührt. Auch dafür habe ich eine Erklärung. Es sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Verdauungsstörungen. Ob es an ungeeignetem Futter liegt, oder ob ein phatologischer Grund vorliegt, vermag ich nicht zu sagen. Doch scheinen sich im Verdauungstrakt betroffener Cyphotilapias Gase zu bilden, die diesen Auftrieb verursachen. Ich konnte auch schon bei gesunden Frontosas beobachten, dass bei bestimmten Futtersorten ab und an Gase aus dem After entweichen. Meine Theorie besagt nun, dass die Fische diese Gase - aus welchem Grund auch immer - während einer gewissen Zeit nicht loswerden können. Die Gase sammeln sich im Verdauungstrakt der Fische an und verursachen so diesen Auftrieb. Dies führt schliesslich zu diesem typischen Wippen, das solange andauert, bis die Gase ausgeschieden werden können.
Schuld am Wippen, beziehungsweise am Auftrieb, können auch die beliebten Futtersticks sein. Dieses schwimmen bekanntlich an der Wasseroberfläche und werden dort von den Frontosas abgesaugt. Dabei nehmen sie auch Luft auf, und diese gelangt dann in den Verdauungstrakt der Fische und verursacht diesen Auftrieb. Frontosas leben in der Natur ja in grossen Tiefen und sind es eigentlich nicht gewohnt, von der Oberfläche zu fressen. Dies erklärt auch warum sich Cyphotilapias, im Gegensatz zu Fischen, die sich von Anflugnahrung ernähren, in dieser Sache anfänglich etwas tollpatschig anstellen.
Bitte beachten sie, dass auch dies nur Theorien sind. Sie scheinen mir aber plausibler zu sein, als jene mit dem Dekomprimieren.
Diese Theorie geht nämlich davon aus, dass das Wippen auf ein fehlerhaftes Dekomprimieren beim Fang der Tiere zurückzuführen sei. Wenn dies tatsächlich stimmen würde, dann dürfte das Phänomen nur bei Wildfängen auftreten. Es hat sich aber gezeigt, dass genau dieses Schaukeln auch bei Nachzuchttieren auftritt. Ich selber konnte das Phänomen bei Nachzuchten beobachten. Damit ist wohl das Thema Dekompression in Zusammenhang mit dem Wippen vom Tisch.
Schliesslich könnte der Auftrieb auch von einer Erkrankung der Schwimmblase herrühren. Dieses Organ ist ja bekanntlich für den Ausgleich des Auftriebes verantwortlich.
Nach meinen Erfahrungen
brauchen sie sich keine Sorgen zu machen wenn ihre Frontosas wippen. Zumeist verliert sich dies nach wenigen Tagen - so jedenfalls meine bisherigen Beobachtungen.