19 | 11 | 2017

Einführung

 
       

Wie kam es zur Bildung von Varianten?

Wie kommt es, dass Cyphotilapia nicht einfach Cyphotilapia ist? Ich meine, weshalb entwickelten sich in ein und demselben See ganz unterschiedliche Varianten dieseser Cyphotilapias? Es liegt am Alter, an der speziellen Geologie und an der enormen Ausdehnung des Tanganjikasees. Dies besagt zumindest eine Theorie, die von verschiednen Forschern vertreten wird.

 
   

Eine Theorie, die einleuchtet
Vor 20 Millionen Jahren, in den Anfängen des Tanganjikasees, war dieser in zwei Becken geteilt. Ein bis 600 Meter über Meer aufragender Felswall, quer durch den ostafrikanischen Grabenbruch, trennte die beiden Seebecken. Der Grabenbruch bildet bekanntlich die über 700 Kilometer lange Wanne des Tanganjikasees. Geologische Aktivitäten im Gebiet um den heutigen Tanganjikasee stiessen damals mächtige Felsformationen zu Bergen auf und leiteten dadurch die Flüsse so um, dass sie sich in die beiden Seebecken ergossen. Erst als das Wasser allmählich über die Marke von 600 Meter über Meer anstieg, konnte dieser Felswall überwunden werden und die beiden Seen vereinigten sich.
In jenen frühen Tagen des Sees entwickelte sich die Fauna somit in getrennten Becken. Diese räumliche Trennung war wohl der Grundstein zur Variantenbildungen. Später, als der See in einem einzigen Becken vereint war, blieben weitere, für viele Fischarten unüberwindbare Schranken bestehen. Die Rede ist von den unterschiedlichen Biotopen des Sees. Bis heute wechseln sich entlang der Uferzonen felsige Habitate mit Sandflächen ab. Und bis heute überwinden felsenbewohnende Cichliden die Sandflächen nicht, weil sie an ihr Habitat gebunden sind und sich nicht in das fast deckungslose Sandbiotop wagen. Sandabschnitte können sich übrigens über viele Kilometer erstrecken. So bleibt die Cichlidenpopulation eines Felsenbiotops unter sich. An ihren Lebensbereich gebunden, bilden sie über die Jahrhunderte eigene Varietäten. Dies kommt daher, weil es nicht zum Austausch mit den Genen von anderen Individuen derselben Art, von ausserhalb der eignen Felsengemeinschaft, kommt. Erschwerend für den innerartlichen Genaustausch wirkt sich zusätzlich die enorme Länge des Tanganjikasees aus. Zwischen Burundi im Norden und Sambia im Süden liegen, wie bereits erwähnt, mehr als 700 Kilometer.

Varianten nicht nur bei Cyphotilapia

Die Variantenbildung kommt übrigens nicht nur bei Cyphotilapia frontosa und Cyphotilapia gibberosa vor. Die so genannten Fangortvarianten sind bei praktischen allen Cichliden der Uferregionen bekannt. Anders verhält es sich bei den Buntbarschen, die das offene Wasser als Lebensraum nutzen. Bei diesen Arten, die oft ausdauernde Schwimmer sind, ist der Austausch der Gene über den gesamten See gewährleistet. Allerdings eignen sich die wenigsten Vertreter dieser Arten, ihrer Grösse wegen, für das Aquarium.

 
 
Der westliche Teil des ostafrikanischen Grabenbruchs: Wie an einer Perlenkette sind die grossen afrikanischen Seen aufgereiht. Sie liegen alle in diesem tiefen Graben, der sich vom Roten Meer bis weit in den Süden des Kontinentes zieht. Zur Geschichte des ostafrikanischen Grabenbruches gehört auch die Entstehung des Tanganjikasees, der ein wichtiger Teil dieses Grabensystems ist. Die besondere Geologie des Grabens hat seit den ersten Tagen des Sees dazu beigetragen, dass sich von verschiedenen Cichliden örtliche Varianten bilden konnten. (Bild: zvg)