13 | 12 | 2017

MP 600

Pflege und Haltung von Cyphotilapia

   
     

Endlich eine taugliche Waffe im Kampf gegen Nitrit und Nitrat

Nitrit und Nitrat – die Problematik dieser beiden Stoffe im Aquarienwasser ist so alt wie die Aquaristik selbst. Auch wenn diese in den aquaristischen Anfängen oft unterschätzt wurden. Zwar erkannte man Nitrit (N02) schon früh als äusserst giftig. Das Nitrat (N03) als Schadstoff wurde dagegen über lange Jahre unterschätzt. Es sei für Fische ungiftig und werde von den Pflanzen abgebaut, war auch in renommierten Fachbüchern zu lesen. Diese Fehleinschätzung ist nicht verwunderlich. Das Nitratproblem in dieser drastischen Form wie wir es heute kennen, stellt sich erst seit praktisch jedes Trinkwasser damit kontaminiert ist. Uns modernen Aquarianern ist es längst bekannt: Nitrit als Vorstufe des Nitrates und das Nitrat selber sind nicht nur dem Algenwachstum förderlich, sie sind auch Fischgifte. Vor allem Nitrit hat bereits in geringen Konzentrationen tödliche Wirkung auf Fische. Und Nitrat wird tatsächlich, wie man dies schon früher wusste, von Pflanzen aufgenommen. Allerdings in so geringen Mengen, dass dies nicht ins Gewicht fällt. Vor allem aber profitieren Algen von hohem Nitratgehalt.

Kein Weg führt am Nitrat vorbei
Leider gibt es keinen Weg um die Bildung dieser Stickstoffverbindungen zu verhindern. Nitrit und Nitrat sind Abbauprodukte, die aus organischen Abfällen entstehen. Aus Fischkot genauso wie aus Futterresten und absterbendem Pflanzenmaterial. Das einzige was man tun kann, ist zu versuchen, die Konzentration möglichst niedrig zu halten. Früher reichte dafür ein regelmässiger Wasserwechsel. Heute ist das Problem allerdings komplexer – Nitrat ist allgegenwärtig. Ein untrüglicher Indikator für hohen Nitratgehalt ist beispielsweise das Gedeihen der lästigen Pinselalge, wenngleich für deren Wachstum auch andere Faktoren eine Rolle spielen. Etwa der pH-Wert und/oder der CO2-Gehalt, der bei einem Mangel zu biogener Entkalkung führen kann.

Die alten Methoden taugen nicht mehr
Wenn sich früher diese graubraunen Pinsel- oder Bartalgen im Aquarium breit machten, konnte man dem Übel ganz einfach mit häufigerem Wasserwechsel begegnen. Schon nach kurzer Zeit waren die unschönen Pinsel, die sich gerne an den Blatträndern festsetzen, verschwunden. Leider funktioniert diese Methode heute nicht mehr. Wenn man sie heutzutage zur Algenbekämpfung einsetzt, erreicht man zumeist die gegenteilige Wirkung – das Algenwachstum nimmt gar noch zu. Der Grund dafür liegt in der Trinkwasserqualität. Algen brauchen für ihr Wachstum ausreichend Nitrat. Früher war das Leitungswasser praktisch frei von Nitrat. Durch den erwähnten häufigen Wasserwechsel mit dem nahezu nitratfreien Trinkwasser wurde der Nitratgehalt im Aquarienwasser verdünnt und dadurch den Algen die Nahrungsgrundlage entzogen. Diese einfache Massnahme genügte um der Algenplage Herr zu werden.

50mg Nitrat pro Liter Trinkwasser
Unter anderem als Folge einer extensiven Landwirtschaft, ist im heutigen Trinkwasser bereits Nitrat enthalten – der Grenzwert liegt in den meisten Ländern bei 50mg/l. Es soll aber nicht selten vorkommen, dass dieser Grenzwert in einzelnen Gegenden saisonal bedingt (Düngung der Felder, Austrag von Jauche) überschritten wird. Steigert man mit solchem nitratbelastetem Wasser die Kadenz des Wasserwechsels, erreicht man keine Verdünnung des Nitratgehaltes im Aquarium, sondern unter Umständen eine Anreicherung. Ergo wird dadurch die Alge in ihrem Wachstum gefördert, statt gehemmt. Wie bekommt man das Nitratproblem in den Griff? Diese Frage habe ich mir seit Jahren gestellt und auch verschiedene im Handel angebotene Produkte getestet, ohne dass mich eines davon überzeugt hätte.

Endlich fündig geworden
Ganz andere Erfahrungen habe ich nun mit dem Ionenaustauscherharz Lewatit MP 600  von Bayer gemacht. Dieses Produkt, unter anderem entwickelt für die Trinkwasseraufbereitung, ist einfach in der Anwendung und hat in kurzer Zeit einen durchschlagenden Erfolg gebracht. Bereits nach wenigen Stunden hatte sich das Wasser optisch verändert – es war schlicht und einfach glasklar. Nun bin ich nicht derart naiv, dass ich glaube, glasklares Wasser müsse zwangsläufig auch gesundheitlich unbedenklich oder gar frei von Schadstoffen sein. Dazu jedoch später. Innert Wochenfrist begannen sich die Pinselalgen zurückzubilden und waren nach einem Monat schon fast ganz verschwunden. Weder Nitrit noch Nitrat liessen sich im Aquarienwasser mit handelsüblichen Mitteln nachweisen. Bei den Fischen konnte ich keine unmittelbare Reaktion erkennen. Es dürfte aber klar sein, dass das Fehlen von Nitrat langfristig eine positive Wirkung auf die Tiere haben wird.

Was ist MP 600 und wie wirkt es
Wie bereits erwähnt handelt es sich bei MP 600 um einen Ionenaustauscher – genauer um einen Anionenaustauscher. Kleine Kunststoffkügelchen mit der Eigenschaft bestimmte Ionen aufzunehmen und dafür andere Ionen freizusetzen. Im Falle von Lewatit MP 600 werden die Stickstoffverbindungen Nitrit und Nitrat gebunden und an deren Stelle Salz an das Wasser abgegeben. Darin liegt denn auch der einzige kleine Nachteil, den ich bei MP 600 bisher feststellen konnte. Der Austauschvorgang hat eine Verschiebung des Ionengleichgewichtes zur Folge, was den Salzgehalt im Aquarienwasser erhöht. In Barschenbecken ist dieses Problem vernachlässigbar. In Aquarien, die sehr weiches Wasser benötigen, kann dieses Aufhärten allerdings zur Knacknuss werden. Zudem entfernt das Harz auch Huminstoffe und Gerbsäuren, was in Schwarzwasseraquarien ein Problem darstellen kann. Einer meiner Vereinskollegen will beispielsweise eine negative Wirkung auf Welse ausgemacht haben - was vielleicht mit den fehlenden Huminstoffen zusammenhängen könnte. Wie Pflanzen, etwa in einem so genannten Holländeraquarium (reines Pflanzenbecken), auf den Einsatz vom MP 600 reagieren entzieht sich meiner Kenntnis.

Ersetzt nicht den Wasserwechsel
Aus der Tatsache, dass das Wasser beim Gebrauch von MP 600 eine Verschiebung des Ionengleichgewichtes erfährt, müssen wir unbedingt die Erkenntnis ableiten, dass MP 600 keinesfalls den Wasserwechsel ersetzen kann. Der regelmässige Wasserwechsel verhindert ein zu starkes Versalzen des Wassers. Dass damit natürlich wieder Nitrat ins Becken gelangt ist kein Problem, wird es doch von MP 600 sofort eliminiert. MP 600 kann übrigens immer wieder gebraucht werden. Dazu muss das Granulat allerdings von Zeit zu Zeit regeneriert werden. Besonders sympathisch: Für die Regeneration muss man nicht mit hochkonzentrierten Säuren oder Laugen hantieren – MP 600 wird mit ganz normalem Kochsalz (NaCl) aufbereitet.

Einfach regenerieren und wieder einsetzen
Dazu wird das Behältnis mit dem MP 600 aus dem Filter geholt und unter fliessendem Wasser gut ausgespült. Dann kommt es in einen Eimer mit Wasser, dem zuvor 100 gr Kochsalz pro Liter zugemengt wurden. Wichtig: In einigen Ländern werden dem Kochsalz Jod, Fluor oder ähnliche Stoffe zugesetzt. Achten sie darauf, dass sie für die Regeneration ausschliesslich reines Kochsalz (Natriumchlorid, NaCl) verwenden. Das MP 600 "Paket" in der Salzlösung gut durchkneten und während mindestens 3 Stunden ruhen lassen. Danach unter fliessendem Wasser das Salz gut ausspülen und wieder in den Filter einsetzen. Fertig.

Einfacher geht es nicht
Die Anwendung ist denkbar einfach. Zumeist wird MP 600 in speziellen, wasserdurchlässigen Säckchen gehandelt – zur Not tut es auch ein Nylonstrumpf. Dieser Behälter wird in den Filter gelegt. Am besten an einer Stelle kurz vor dem Auslauf, wo das Wasser bereits mechanisch gereinigt ist – MP 600 verschmutzt sonst sehr schnell (Vorschlag für Juwelfilter hier klicken). Wie viel MP 600 gebraucht wird, hängt von der Grösse des Beckens und des Besatzes ab. In mein Zweimeter-Aquarium (750 Liter) mit fünf grossen (über 30cm) Cyphotilapias und einer Gruppe kleinerer Fische, habe ich zwei Liter MP 600 eingebracht. Bei dieser Menge musste ich nach gut sechs Monaten zum ersten Mal regenerieren. Bitte beachten: MP 600 darf niemals austrocknen oder gefroren werden, da es sonst verdirbt.

 
Höhere Effizienz in Säulen
Die Effizienz von MP 600 lässt sich noch steigern, wenn man so genannte Filtersäulen verwendet. Im Prinzip handelt es sich dabei um oben und unten abgeschlossene Plexiglasrohre, in denen das Harz direkt dem Filterstrom ausgesetzt wird (Abbildungen rechts). Mit der dadurch erreichten höheren Durchflutung, steigert sich auch die Geschwindigkeit mit der die Schadstoffe aufgenommen werden. Wenn man eine solche Säule einsetzt, lohnt es sich darauf zu achten, dass man das Wirbelbettverfahren anwendet. Diese Technik ist einfach und verhindert, dass das Harz zusammengepresst wird und so an Durchlässigkeit einbüsst. Wie der Name des Verfahrens bereits sagt, wird dabei das Austauscherharz in der Säule durch das einströmende Wasser verwirbelt, wodurch die Durchlässigkeit stets gewährleitstet ist und der Austauschvorgang beschleunigt wird. Die Alternative zum Wirbelbettverfahren ist das Durchlaufverfahren, bei dem der Einlassstutzen oben, und er Auslass unten angebracht ist (siehe Abbildungen rechts). Bei beiden Verfahren ist es sehr wichtig, dass das Wasser sehr gut vorgereinigt wird. Man wird also nicht um einen Vorfilter herumkommen.
Die Säule bietet übrigens auch bei der Regenerierung Vorteile - durch das so genannte Rückspülungsverfahren lässt sich die Regeneration mit Kochsalz flotter bewerkstelligen.
   
     
     
  Beim Wirbelbettverfahren wird das einströmende Wasser tief in die Säule geführt, wodurch das Harz aufgewirbelt wird. Das Harz bleibt dadurch stets locker und gewährleistet einen guten Austausch.   Beim Durchlaufverfahren, wird das Wasser durch die Filtersäule gepresst. Dies kann dazu führen, dass das Harz zusammen-gedrückt wird, was unter Umständen den Austausch behindern kann.  

Meine Erfahrungen
Schon seit einigen Jahren verwende ich nun MP 600 in durchlässigen Säcken in Juwel-Filtern, wie oben beschrieben. Obschon ich auch Kritik an MP 600 als Aquarienwasseraufbereiter gelesen habe, kann ich aus meiner persönlichen Erfahrung nichts Negatives berichten. Im Gegenteil: Mein Aquarium ist seither algenfrei, die wenigen Pflanzen gedeihen, das Wasser ist glasklar und die Fische sind wohlauf. Letztere haben sich sogar munter vermehrt. Die Kadenz des Wasserwechsels habe ich beibehalten, sprich wöchentlich zirka 10 bis 20 Prozent. Eine Veränderung der Wasserwerte konnte ich nicht feststellen. Nur Nitrit und Nitrat lassen sich nicht mehr nachweisen.

Erhältlich im Zoofachhandel
Wie bereits erwähnt ist Lewatit MP 600 ein Produkt von Bayer Leverkusen. Es wird in vielen grösseren Aquariengeschäften verkauft. In der Schweiz ist das Produkt beispielsweise im Internetshop
Aspi's Wasserchemie (www.wasserchemie.ch) erhältlich, in Deutschland über das Fachversandhaus MM-Aquaristik (www.mm-aquaristik.de). Der Preis für einen Liter bewegt sich um die 30 Franken, beziehungsweise um zirka 25 Euro. Lewatit MP 600 lässt sich immer wieder mit Kochsalz regenerieren und ist damit sehr lange einsetzbar - auch wenn sich die Aufnahmekapazität mit zunehmendem Alter etwas verringert.